Ein Gastartikel von Veronika Krytzner

Er versteht mich einfach nicht: Missverständnisse in der Kommunikation tauchen oft auf und manchmal sind es nur Kleinigkeiten, die dazuführen, dass man sich nicht verstanden fühlt. Der andere bemerkte diese kleinen Veränderungen nicht und befindet sich aus heiterem Himmel in einem Streit. Aus diesem Streit entsteht dann manchmal eine Grundsatzdiskussion über die Beziehung, man kommt von Hölzchen auf Stöckchen. Am Ende ist der kleine Auslöser vergessen, man hat sich gegenseitig verletzt und die Beziehung hat einen kleinen Riss bekommen.

Klingt ein wenig theoretisch? Stimmt, deswegen mal ein ganz praktisches Beispiel!

(Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind ausgeschlossen;-))

Wenn sie zu einer Veranstaltungen geht, begleitet ihr Partner sie selten. Das ist auch völlig in Ordnung für sie, denn solche Veranstaltungen sind nicht seines.

Normalerweise verläuft ein Gespräch so

Sie : „Ich gehe zu der Veranstaltung XY. Möchtest du mitkommen?“
Er: „Nein, du weißt doch, das macht mir keinen Spaß.“
Sie: „Okay. Ich bin dann am Freitag unterwegs. Was machst du so?“

Jetzt gab es allerdings eine Veranstaltung, da wollte sie nicht alleine hin. Sie wünschte sich, dass er sie begleitet.

Sie: „Ich muss zu der Veranstaltung XY. Könntest du bitte mitkommen?“
Er: „Nein, du weißt doch, das macht mir keinen Spaß.“
Sie: „Nieeeeeeee kommst du mit! Immer muss ich alleine gehen, das ist nicht fair. Wenn ich dich einmal um was bitte!“
Er: – sprachlos.

Als er seine Sprache wiedergefunden hatte, ging die Diskussion weiter, darüber, was er alles für sie macht und was sie nicht schätzt. Sie wiederum führte an, was sie alles für ihn macht und wo sie Rücksicht auf ihn nimmt. So nahm der Streit seinen Lauf.

Wo war Knackpunkt?

An dem Punkt, dass er sie nicht begleiten wollte? Nein!

Dem aufmerksamen Leser ist es bestimmt nicht entgangen, dass sie ihre Frage umformuliert hat. Es war eine minimale Veränderung von „möchtest du mitkommen?“ zu „könntest du bitte mitkommen?“. Vielleicht hätte eine sensible Frau den Unterschied in der Frage gehört. Ich mag zwar keine Klischees, aber Männer sind oft nicht sensibel für die kleinen Untertöne. Doch wer ist schon die ganze Zeit auf hab-acht-Stellung, um die feinen kleinen Unterschiede herauszuhören?

„Lernen Sie Ihre Gefühle wahrhaftig zu äußern, damit der andere die Chance hat, sich in Sie einzufühlen.“ (Jirina Prekop)

Das ist ein so wichtiger Satz! Ich habe dieses Zitat an meine Pinnwand geheftet. Manchmal liegt der Schlüssel zur Lösung des Streits darin verborgen. In dem Beispiel funktioniert es wunderbar, hat er eine Chance gehabt, sich einfühlen zu können? Hat sie ihre Gefühle so geäußert? Nein!

Wir wählen oft die sichere Variante, zeigen uns nicht gerne in unserer Schwäche und in der Verletzlichkeit. Oft bitten wir ungern um Hilfe, oft steht der eigene Stolz im Wege.

Wie geht es anders?

Zurück auf Start!

Sie: „Du weißt doch, ich muss zu der Veranstaltung XY. Diese Veranstaltung ist wichtig für mich, doch da sind so viele Menschen, die ich nicht kenne. Und dieses Mal fühle ich mich nicht wohl, alleine zu gehen. Ich habe Angst und ein flaues Gefühl im Magen. Mit dir an meiner Seite fühle ich mich sicher, du gibst mir Mut. Ich brauche deine Unterstützung. Kommst du bitte mit?“

Er: „Klar! Wir wuppen das!“

Was hat sie verändert? Sie hat sich gezeigt in ihrer Verletzlichkeit. Er konnte sie sehen und sich einfühlen. Sie fühlt sich sicher und mutig in seiner Gegenwart – das ist das Gefühl, was er ihr durch seine Begleitung geben kann.

Er versteht mich einfach nicht – kennst du das auch?

Du fragst auf eine subtile Art und Weise und hoffst, dass der andere dich versteht. Du kaschierst deine Verletzlichkeit? Du opferst sie auf dem Altar des Stolzes und scheiterst meistens?

Das ist so menschlich! Wir haben im Laufe unseres Lebens gelernt, Schutzmauern aufzubauen und niemanden hinter die Fassaden blicken zu zeigen, um uns vor Verletzungen zu schützen. Die Gefahr ist nur, dass wir so in unseren Mustern gefangen sind, dass uns der andere nicht sehen kann und sich nicht einfühlen kann. Und wie sollen wir dann verstanden werden, wenn wir dem anderen nicht erlauben, sich einzufühlen?

Herzlichen Dank lieber Olaf für die Gelegenheit, bei dir zu schreiben!

Von Herzen liebe Grüße

Veronika

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Hier findest du alle weiteren Informationen zu Veronika:

Veronika Krytzner  www.veronikakrytzner.de

Ich bin Kommunikations- und Beziehungscoach. CoCo –Communication connects ist ein Programm für Frauen, die ihre Beziehung auf die nächste Ebene heben wollen und gleichzeitig wieder ihr Leben in die Hand nehmen wollen. CoCo ist kein weiterer Beziehungsratgeber oder eine „Es-wird-wieder-alles-gut-Beruhigungspille“. CoCo ist: Intensiv. Persönlich. Mit dem Ziel, der Beziehung wieder Zauber und Tiefe zu verleihen.

Ich habe zu danken! Ein schön lebendiger Artikel, wie ich finde! Und jetzt bist wieder du dran: Welche Erfahrungen hast du mit Missverständnissen in der Partnerschaft gemacht?

Bildquellen: Paarfoto © Robert Kneschke, Fotolia und Portrait © Veronika Krytzner

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